2025-02-01 Synagoge, Harmuthsachsen - Hessisch Lichtenau
2025-02-01 Besuch der Synagoge, Harmuthsachsen

Die letzte jüdische Familie wurde 1942 deportiert. Im 14. Jahrhundert sollen schon sogenannte „Schutzjuden“ in Harmuthsachsen ansässig gewesen sein. Älteste schriftliche Quellen darüber gibt es allerdings erst aus der Zeit um 1600.
Das Gebäude hat eine bewegte Geschichte, im 17. Jahrhundert erbaut als Scheune, im 19. Jahrhundert von der jüdischen Gemeinde erworben, zur Synagoge umgebaut und bis 1936 als solche auch genutzt. Danach wurde das Gebäude wieder Scheune im Privatbesitz, in den letzten Jahren jedoch ungenutzt und dem Verfall preisgegeben. Der frühere Besitzer hatte ein Betretungsverbot für das Grundstück erlassen, er wollte offensichtlich Profit aus dem Grundstück mit den Gebäuden schlagen.
2021 hat der Verein "Freundinnen und Freunde des jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis" Interesse bekundet, das Grundstück mit den 2 Gebäuden zu kaufen. Das gelang schließlich im Frühjahr 2024 durch Unterstützung des evangelischen Kirchenkreises mit einem Kredit in Höhe von € 30.000,--. Seitdem laufen umfangreiche Restaurierungsarbeiten.
Am 1. Februar konnte sich der LIONS-Club HeLi von dem Fortgang der Bauarbeiten ein Bild machen. Herr Dr. Martin Arnold, ein pensionierter ev. Pastor und langjähriger Dekan führte uns auf der Baustelle und hielt einen sehr fundierten Vortrag über das jüdische Leben in der Region. So erfuhren wir, dass um 1860 in Harmuthsachsen 25 % der Dorfbevölkerung jüdischen Glaubens waren.
Ab Ende dieses Jahres soll die Synagoge (dort gibt es max. 40 Sitzplätze) für kleine Konzerte, Vorträge, aber auch Besuche von Schulklassen usw. dienen. Das geht wohl nur vom Frühjahr bis zum Herbst. Eine Heizung gibt es dort nämlich nicht und ist auch nicht geplant. Interessant an dem Gebäude ist, dass wegen der Nutzung als Scheune die Bausubstanz weitgehend original erhalten ist. Sie wurde, wie einige andere Synagogen in Nordhessen, in der Reichspogromnacht 1938 nicht abgebrannt. Denn sie liegt mitten im Ortskern, umgeben von alten Fachwerkhäusern. Das wäre viel zu gefährlich gewesen.
Den Nachmittag ließen wir bei leckerem Essen im Gasthaus Zur Linde in Harmuthsachsen ausklingen.
Vielen Dank an Herrn Dr. Martin Arnold, seine beiden Vereinskollegen und an das Team der Familie Hilmes, Gasthaus Zur Linde.